Wenn das Internet ein Land wäre, würde Estland die Hauptstadt sein

• Bigbank, den 7. Februar 2018

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"Das Ziel ist den zehnmillionsten virtuellen Bürger im Jahr 2025 zu begrüßen."

Wenn das Internet ein Land wäre, würde Estland die Hauptstadt sein

Als Estland im Jahre 1991 unabhängig wurde, konzentrierte sich die neue Regierung ausschließlich auf den Technologiesektor. Infolgedessen kann man 26 Jahre später fast alle Regierungsgeschäfte online erledigen. Nicht umsonst wird Tallinn auch das Silicon Valley Europas genannt in dem jeder auf der Welt ein Online-Bürger werden kann.

Kinder lernen in der Schule bereits ab dem siebten Lebensjahr zu programmieren. Zudem kann man seit 2005 mit einem digitalen Identitätsnachweis online wählen und hat mit dieser ID Online-Zugriff auf seine Online-Arztakte. Mit diesem digitalen Ausweis können Sie auch Ihre Steuererklärung abgeben, die Schulnoten Ihrer Kinder einsehen und Dokumente mit einer digitalen Unterschrift unterzeichnen. Darauf basierend ist es sogar möglich sich online zu verheiraten und ein Haus zu kaufen.

Estland ist auch das einzige Land, das jedem Weltbürger eine s.g. e-Residency („Online-Bürgerschaft“) anbietet. Durch die „Online-Bürgerschaft“ kann jeder ein Unternehmen in einer vertrauten EU-Umgebung gründen, ohne physisch in Estland zu sein. Die “Online-Bürgerschaft“ ist eine digitale Identität, die Sie unabhängig von Ihrem Wohnort und Ihrer Nationalität erhalten können. Mit dieser können Sie neben der Registrierung eines Unternehmens auch ein estländisches Bankkonto eröffnen, Dokumente verschlüsseln und öffnen. Ab 2018 haben "e-Bürger" die Möglichkeit, ihren dazugehörigen Personalausweis zur digitalen Identifizierung im gesamten EU-Gebiet zu verwenden.

"Durch die „Online-Bürgerschaft“ kann jeder ein Unternehmen in einer vertrauten EU-Umgebung gründen, ohne physisch in Estland zu sein."

Seit der Einführung der “Online-Bürgerschaft“ im Jahr 2014 haben sich bereits 20.000 Ausländer aus 138 verschiedenen Ländern „eingebürgert“ und mehr als 30.000 Unternehmen gegründet. Damit hat Estland eine einzigartige Einnahmequelle geschaffen, da diese Unternehmen ihre Steuern in Estland zahlen müssen. Das Ziel ist den zehnmillionsten virtuellen Bürger im Jahr 2025 zu begrüßen.

Leider beinhalten die Online-Systeme auch Gefahren. Beispielsweise Im Jahre 2007 legte ein Hackerangriff die Online-Infrastruktur für ein paar Tage lahm. Nach diesem Angriff wurde entschieden, sich mehr mit der digitalen Sicherheit auseinanderzusetzen. Hierbei wird zum Beispiel die notwendige Software ständig aktualisiert, ein Backup der Daten in estnischen Botschaften gespeichert und tausende separate Datenbanken verwendet. Diese Maßnahmen haben für eine Optimierung der Sicherheit gesorgt und dazu geführt, dass das Cyber-Sicherheitsteam der NATO und das IT-Zentrum der Europäischen Union sich in Estland befinden.

Neben der Sicherheit ist auch der Datenschutz ein oft diskutierter Nachteil der Online-Optionen. Zum Beispiel waren Datenschutzbedenken der Grund dafür, dass die Online-Arztakte in den Niederlanden nicht umgesetzt wurde. Dieser Diskussionspunkt wurde von Estland angegangen und das System wurde so eingerichtet, dass jeder seine Privatsphäre-Einstellungen selber bestimmen kann. So können Sie selbst entscheiden, welche Dateien versteckt und welche sichtbar sind. Darüber hinaus müssen Ärzte einen Grund angeben, bevor sie die Akte Ihres Patienten einsehen können. Hier können Sie auch sehen, wer Ihre Dokumente eingesehen hat und mit welchem Motiv. Dieses System gilt auch für die Steuerbehörden, Banken und Versicherungen.

Zuletzt hat die Automatisierung des öffentlichen Systems den bürokratischen Apparat Estlands verringert, und jährlich werden geschätzte zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gespart.

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