Finanzerziehung: So lernen Kinder den Umgang mit Geld

• Bigbank, den 12. Oktober 2018

Finanzerziehung: So lernen Kinder den Umgang mit Geld

"Schwieriger wird es, einem Kind über die monatlichen Ein- und Ausgaben hinaus den Sinn langfristiger Sparziele beizubringen."

Finanzerziehung: So lernen Kinder den Umgang mit Geld

Kaum ein Elternteil kennt diese Situation nicht: An der Kasse im Supermarkt gibt es so viel zu entdecken und natürlich besteht der Sohn oder die Tochter darauf, dass eine Süßigkeit oder auch ein kleines Spielzeug gekauft wird. Man mag es ihnen nachsehen, denn Kinder können Preise und Konsum generell noch nicht richtig einschätzen. Dafür fehlt ihnen grundliegendes Verständnis, etwa welche Arbeitsleistung Menschen für ihr regelmäßiges Einkommen erbringen müssen. Doch wer bereits im Kindesalter lernt, mit Geld umzugehen, hat es im Leben leichter.

Auch wenn es Kindern so vorkommen mag: Wünsche sind nicht unbegrenzt finanzierbar. Daher spielt Taschengeld beim Thema Finanzerziehung eine zentrale Rolle. Wichtig ist dabei, dass es die gleiche Summe immer zu einem festgelegten Zeitpunkt gibt. Andernfalls lernen Kinder nicht zu planen und es fällt schwerer, Geldmengen einzuschätzen. Außerdem ist zu empfehlen, Taschengeld nicht als Mittel zur Belohnung oder zur Bestrafung anzusehen, beispielsweise für Noten in der Schule. Wieso sollte zum Beispiel eine schlechte Englischnote Auswirkungen auf die Finanzerziehung des Kindes haben? Dies suggeriert einen Zusammenhang, der mit dem eigentlichen Verhalten wenig zu tun hat.

Geld heißt auch Verantwortung

Darüber hinaus macht es Sinn, Kinder selbst entscheiden zu lassen, wofür sie ihr Geld ausgeben – egal, ob die Eltern beispielsweise das zehnte Kuscheltier als nötig erachten oder nicht. Schließlich gehören vermeintliche Fehlkäufe zum Lernprozess. Und diese sollten besser im geschützten Rahmen des Elternhauses als später mit größeren Summen alleine vorkommen. Wenn es um komplexere Finanzentscheidungen geht, etwa den Abschluss eines Handyvertrags, ist Beratung aber durchaus sinnvoll und gewünscht.

"Zwar ändern sich Bedürfnisse und Ausgaben mit voranschreitendem Alter, doch oft ist der Grund einer Pleite am Monatsende schlichtweg, dass nicht richtig gehaushaltet wurde."

Wenig förderlich für die Finanzerziehung ist hingegen, immer einzuspringen, wenn das Geld knapp ist. Wenn Eltern dies vermeiden kann das Kind besser lernen, keine Schulden machen. Zwar ändern sich Bedürfnisse und Ausgaben mit voranschreitendem Alter, doch oft ist der Grund einer Pleite am Monatsende schlichtweg, dass nicht richtig gehaushaltet wurde. Ein zugesteckter Schein von den Großeltern sollte nicht problematisch sein, solang dies nicht die Erziehung unterläuft und für das Kind zur Normalität wird. Doch wenn jedes Mal sofort auf Wunsch Geld nachgeschossen wird, verflüchtigt sich der Lerneffekt. Um eine angemessene Höhe des Taschengelds festzulegen, ist das gemeinsame Auflisten von Einnahmen und Ausgaben des Kindes hilfreich. Eine weitere Orientierung ist im Freundeskreis zu finden und auch von den Jugendämtern gibt es eine offizielle Empfehlung:
Kindesalter Taschengeld
4 - 5 Jahre 50 Cent pro Woche
6 - 7 Jahre 1,50 – 2 Euro pro Woche
8 - 9 Jahre 2 – 3 Euro pro Woche
10 - 11 Jahre 13 – 16 Euro pro Monat
12 - 13 Jahre 18 – 22 Euro pro Monat
14 - 15 Jahre 25 – 30 Euro pro Monat
16 - 17 Jahre 35 – 45 Euro pro Monat
18 Jahre 70 Euro pro Monat

Die Jugendämter legen nahe, dass Eltern essentielle Dinge wie Lebensmittel, Schulsachen und eine Grundausstattung an Kleidung übernehmen. Wenn es sich die Familie nicht leisten kann, darüber hinaus ein durchschnittliches Taschengeld auszuzahlen, sollte dies dem Kind erklärt werden. Auch Gespräche über Geld gehören zur Finanzerziehung dazu. Und wenn die Meinung zwischen Kind und Eltern auch nach Diskussionen darüber auseinandergeht, welche Summe angemessen ist, bietet sich ein kleiner Nebenjob an. So lernt das Kind, wie viel Zeit es kostet, um ein paar Euro zu verdienen. Denn wenn auf einmal das eigene Geld zum Kauf von Süßigkeiten an der Kasse genutzt werden soll, verzichten viele plötzlich doch darauf.

Schwieriger wird es, einem Kind über die monatlichen Ein- und Ausgaben hinaus den Sinn langfristiger Sparziele beizubringen. Ausgaben für den Führerschein oder ein mögliches Studium hat kaum ein Teenager im Blick, Unterstützung durch die Eltern ist aus diesem Grund sinnvoll. Es bieten sich Sparkonten an, auf die Kinder keinen direkten Zugriff haben, aber wissen, wie viel Geld sich darauf befindet beziehungsweise monatlich eingezahlt wird. Zum Beispiel könnte bereits frühzeitig ein Festgeldkonto angelegt werden, über das nach Ende der Laufzeit der Führerschein finanziert wird. So lernen Kinder und Heranwachsende, was langfristiges Sparen bedeutet.

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