Entstehung und Entwicklung des Zinses

• Bigbank, den 27. Juli 2018

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"Die historisch ältesten belegbaren Zinsen stammen übrigens aus der sumerischen Epoche (ca. 3.000 v. Chr.) in Mesopotamien."

Entstehung und Entwicklung des Zinses.

Der allgegenwärtige Begriff „historischer Niedrigzins“ impliziert: Zinsen, also Entgelt für Darlehen, blicken auf ihre ganz eigene Geschichte zurück. Der Zins, den beispielsweise ein Bankkunde auf seine Einlagen erhält, ist nämlich keineswegs ein Produkt des modernen Bankwesens. Seine Entstehung lässt sich deutlich weiter zurückdatieren, und zwar von tausenden von Jahren bis hin zu den Ursprüngen der menschlichen Zivilisation.

Der Zins und seine Geschichte
Bereits in der Antike kamen Zinszahlungen bei Sachdarlehen zum Einsatz, beispielsweise beim Verleih von Saatgut oder Nutzvieh. Die Idee dahinter: Erzeugnisse einer Ernte beziehungsweise der Nutzviehhaltung übersteigen in der Regel ihren Einsatz. Da aber für den Gläubiger gleichzeitig aber ein Ausfallrisiko besteht, verlangte er vom Schuldner seinen Einsatz in höher Anzahl zurück. Was wir also heute als Kreditrisiko bezeichnen, spielte schon damals eine erhebliche Rolle. Die historisch ältesten belegbaren Zinsen stammen übrigens aus der sumerischen Epoche (ca. 3.000 v. Chr.) in Mesopotamien: Hier lag der jährliche Zinssatz für Silber-Kredite bei bis zu 20 Prozent, für Gersten-Kredite sogar bis zu 33,3 Prozent.

Allerdings polarisierte die Idee hinter Zinsgeschäften mit zunehmender Verbreitung. Sie stand beispielsweise in der Kritik griechischer Philosophen wie Platon und Aristoteles, die es als widernatürlich bezeichneten, dass durch den Zins Gewinne ohne Einsatz von Arbeitskraft kreiert wurden. Im Mittelalter nahmen sich dann die Weltreligionen des Zinses an. Die katholische Kirche verbot im Mittelalter Zinszahlungen jeglicher Art. Bei Verstoß drohte die Exkommunikation, die einem Ausstoß aus der Gesellschaft gleichkam. Auch im Islam wurde Zinsen grundsätzlich verboten, was bis heute fester Bestandteil der Scharia ist. Aus diesen Umstand heraus entwuchs das Islamische Bank- und Finanzwesen, in dem vollständig auf Zinszahlungen verzichtet wird. Auch im Judentum waren Zinsgeschäfte innerhalb der Religionsgemeinde verboten. Ab dem 15. und 16. Jahrhundert lockerte sich das katholische Verbot von Zinszahlung zunehmend beziehungsweise wurde vernachlässigt, bis es Anfang des 19. Jahrhunderts offiziell aufgehoben wurde.

"Heute sind Zinsen sind heute ein integraler Bestandteil des Finanzwesens und damit unserer Wirtschaft."

Und heute?
Heute sind Zinsen sind heute ein integraler Bestandteil des Finanzwesens und damit unserer Wirtschaft. Zinszahlungen bieten Gläubigern einen finanziellen Anreiz, um Darlehen zu vergeben, was wiederum die Anzahl und das Volumen der Investitionen fördert und damit unsere Wirtschaft ankurbelt. Insbesondere bei Krediten und Bankeinlagen sind Zinsen ein entscheidendes Auswahlkriterium. Sie sind primär von den Leitzinsen abhängig, die im Euro-Raum von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegt werden. Mithilfe ihrer Geldpolitik wird die sich im Umlauf befindliche Geldmenge gesteuert, um die Stabilität der Währung zu gewährleisten. Als Preisstabilität bezeichnet die EZB, „dass die Preise nicht übermäßig steigen (Inflation) und auch anhaltende Phasen fallender Preise (Deflation) vermieden werden sollen“. Dafür soll die jährliche Inflationsrate leicht unterhalb der Marke von zwei Prozent liegen.

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